Beeindruckende Gemeinschaftsfeier

v.l.n.r.: Superintendent Jürgen Tiemann, Kantor Jakow Zelewitsch, Pfr. Wolfgang Ricke, Niklas Lämmel, Johannes Fendel, Clara Le Guellec; Harald Scheurenberg, Pfr. Bernhard Speller, Propst i.R. Paul Jakobi.

Minden. „Wir blicken beim Gebet gemeinsam in dieselbe Richtung“ – das sagte Pfarrer Bernhard Speller bei der Christlich-Jüdischen Gemeinschaftsfeier, zu der zum Abschluss der Woche der Brüderlichkeit die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in die Ev.-ref. Petrikirche Minden eingeladen hatte. Nach einer ersten Feier, die im vergangenen Jahr anlässlich der in Minden stattgefundenen Bundeseröffnung der Woche der Brüderlichkeit, wurde angeregt, doch in Zukunft auch regional so eine Gemeinschaftsfeier auszurichten. Und die zahlreichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen dieser gemeinsam von Juden und von evangelischen und katholischen Christen gestalteten Feier gaben diesem Ansinnen Recht. Musikalische Akzente setzte das Mindener Trio Dorado Vagabundi mit Jiddischen Liedern und Kompositionen von Anton Sjarov. Eindrucksvoll sang und rezitierte der Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde Minden und Umgebung Jakow Zelewitsch auf Hebräisch den Text aus Genesis 17 und Psalm 91. Superintendent Jürgen Tiemann vom Ev. Kirchenkreis Minden und Dr. Raimund Renner von der Domgemeinde sprachen die deutschen Übersetzungen. Das ebenfalls von Jakow Zelewitsch gesungene Gebet Sim Schalom (Schenke uns Frieden) wurde vom Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Harald Scheurenberg übersetzt und erklärt. Propst am Dom i.R. Paul Jakobi legte dann den Psalm 91 aus. Dieser Psalm, der die verlässliche Nähe Gottes lobe, sei ein besonderes Geschenk aus dem Judentum auch für die Christen. Er erklärte „Gott bietet wie ein Zelt überall Schutz“. Der Psalm 91 würde auch an jedem Sonntagabend von allen katholischen Priestern weltweit gesprochen. Pfarrer Bernhard Speller erklärte dann anhand von Versen aus dem neutestamentlichen Hebräerbrief, wie sehr die ersten Christen im Judentum verwurzelt waren, dies später jedoch vergessen wurde. Die Kirche habe sich an die Stelle des Volkes Gottes gesetzt. Dabei habe doch Jesus, der selbst aus dem Volk Gottes kam, erst den anderen Völkern den Weg zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs gezeigt. Die Kirchen beider Konfessionen haben erst neu lernen müssen, dass ihr Platz an der Seite des Volkes Israel ist. Erst die Zeit nach der Shoa hat dazu geführt, das Verhältnis als Juden und Christen grundlegend neu zu bedenken. Für das Bemühen, seither Zeichen zu setzen, stehe zum Beispiel auch der Freiwilligeneinsatz von jungen Erwachsenen aus Deutschland in Projekten der Aktion Sühnezeichen. In einem Interview am Ende der Feier schilderten Clara Le Guellec, Johannes Fendel und Niklas Lämmel, dass sie nach dem Abitur ab September für ein Jahr in Tschechien und Polen je einen Friedensdienst in Budweis, Auschwitz und Theresienstadt leisten werden. Die Feier schloss mit einem Gebet von Superintendent Tiemann, Harald Scheurenberg und Pfarrer Wolfgang Ricke und dem Segen des Aaron in hebräischer und deutscher Sprache. Nach der Feier kam dann erneut die Anregung: so eine Feier sollte wieder stattfinden.

Trauer um Kurt Scheurenberg

Kurt Scheurenberg






Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V.
trauert um ihren langjährigen jüdischen Vorsitzenden

Kurt Scheurenberg
17. 3. 1921 - 13. 3. 2011



Seit dem 1984 war er bis zu seinem unerwarteten Tod in der Nacht zum Sonntag 27 Jahre einer unserer drei Vorsitzenden. Nach den Verfolgungen, nach Deportation und Inhaftierung kehrte er als einer von wenigen Überlebenden in seine Heimat zurück. Schon bei der Entstehung der GCJZ Minden war er im Jahr 1960 einer der Gründungsmitglieder und förderte das Gespräch und Miteinander von Juden und Christen in Minden und Umgebung.
Für seine Arbeit, seinen Einsatz und seine Hilfsbereitschaft sind wir sehr dankbar, vor allem aber werden wir seine Freundlichkeit und Freundschaft, seinen Rat und seine Erfahrung vermissen.
Unsere besondere Anteilnahme gilt seiner Familie.


Für den Vorstand der GCJZ Minden

Pfr. Bernhard Speller (Ev. Vorsitzender und Geschäftsführer)
Dr. Raimund Renner (Kath. Vorsitzender)

Jubiläum 50 Jahre GCJZ MInden

Dr. Henry Brandt zusammen mit Bernhard Speller, Kurt und Harald Scheurenberg von der jüdischen Kultusgemeinde bei der Festveranstaltung | MT-Foto: Christine Potter


Aufklären und für Toleranz werben
50 Jahre Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit / Gegen Diskriminierung

Aus: Mindener Tageblatt 19.04.2010 VON CHRISTINE POTTER

Minden (mt). "Wir haben noch etliches zu tun, haben auch auf der Hut zu sein, müssen uns austauschen, aber auch kritischen Fragen stellen", mahnte Landesrabbiner em. Dr. Henry Brandt bei der Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden.

Als Max Ingberg, Mitglied der Jüdischen Kultusgemeinde, den Gründungsschritt mit Pastor Dr. Dreyer sowie dem damaligen Dompropst Parensen wagte, blies ihnen der Wind noch kräftig ins Gesicht. Die Türen der Bevölkerung waren nicht so offen wie heute. Anfang der 60er-Jahre herrschte noch eine große Stille, erinnerte der Referent im Martinihaus vor zahlreichen Gästen. Alle Bürger wussten um die Geschehnisse während der NS-Diktatur, doch alle schwiegen.

1960 sei die Grundeinstellung der jüdischen Mitbürger eine selbst auferlegte Isolation gewesen. Viele habe es nach 1945 ins Mindener Land verschlagen. "Sie fanden zwar eine neue Bleibe, aber keine Heimat", daran erinnerte Dr. Brandt. Aufzuklären und für Toleranz zu werben, war die Maxime der Mitglieder der neu gegründeten Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Und diese Toleranz kam mit den Fragen der jüngeren Generation, nachdem der Film "Holocaust" ausgestrahlt wurde. "Da begann das Thema zu brennen", bemerkte der Landesrabbiner. Juden und nichtjüdische Deutsche seien zur menschlichen Begegnung und einem aufklärenden Dialog bereit gewesen.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten habe sich die Beziehung zum Judentum gedanklich und theologisch verändert. Christlich-jüdische Dialoge seien äußerst wichtig. Dr. Henry Brandt erklärte jedoch vehement, dass ein Trialog zwischen Christen, Juden und Muslimen auf theologischer Ebene noch nicht möglich sei.

Auch auf das Karfreitagsgebet des Vatikans ging der Rabbiner ein. Papst Benedikt XVI. hatte die umstrittene lateinische "Tridentinische Messe" wieder zugelassen. Die darin enthaltene Karfreitagsfürbitte "für die Jude", die unter anderem von einer "Verblendung" der Juden spricht, wurde Anfang Februar veröffentlicht. "Diese Ausführungen werfen einen Schatten auf unsere Beziehungen", bekräftigte Dr. Henry Brandt.

Es sei noch viel zu tun, denn immer wieder bedrohen Vorurteile das friedliche Nebeneinander verschiedener religiöser oder ethnischer Gruppen. "Doch wir können uns jetzt unangenehme Wahrheiten an den Kopf werfen, ohne dass unsere Zusammenarbeit darunter leidet", so der Rabbiner zum Abschluss der Festveranstaltung, bei der Landrat Dr. Ralf Niermann und Mindens Bürgermeister Michael Buhre Grußworte sprachen und die durch das Trio "Dorado Vagabundi" musikalisch umrahmt wurde.

"Wir haben unsere Sprachfähigkeit wiedergewonnen und versuchen als Gesellschaft Zeichen zu setzen", erklärte Vorsitzender Bernhard Speller. Die Gesellschaft wende sich gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung. Gerade die Erfahrung habe gezeigt, dass es wichtig sei, in einer Stadt zusammen zu rücken.



Miteinander der Konfessionen
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wird 50 / Frieden und Toleranz verbreiten

Aus: Mindener Tageblatt 17.04.2010 VON THILO KÖTTERS

Minden (mt). Unermüdlicher Einsatz für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung - und das schon seit 50 Jahren. Die Mindener Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) hat in all den Jahren einiges geleistet. Am morgigen Sonntag blickt sie in einer Feierstunde zurück in ihre Geschichte.

Bei ihrer Gründung im Jahr 1960 gehörte die Mindener GCJZ zu den ersten ihrer Art. Sie war nach Bielefeld, Dortmund und Siegen die vierte Gesellschaft in Westfalen und die zwanzigste in der Bundesrepublik Deutschland. Nur eineinhalb Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs regte Max Ingberg, Mitglied der Jüdischen Kultusgemeinde und SPD-Politiker, ein Miteinander mit den christlichen Konfessionen sowie Repräsentanten aus Politik und Kultur an. Die neue Vereinigung sollte den Gedanken der Toleranz stärken sowie die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten.

Der Vorschlag Ingbergs fand Anklang - zur Gründungsversammlung der GCJZ am 8. Februar 1950 trafen sich Bürger aller Schichten aus Stadt und Kreis Minden. Zu den Vorsitzenden wurden Pastor Dr. Dreyer, Max Ingberg und Dompropst Parensen gewählt. Herbert Schulz, Walter Michel, Dr. Hans Gressel und Dr. Schroeder unterschrieben ebenfalls als Vorstandsmitglieder die erste Satzung der Gesellschaft. Bis heute hat die GCJZ jeweils einen jüdischen, einen evangelischen und einen katholischen Vorsitzenden.

Viele bedeutende Theologen, Pädagogen, Wissenschaftler, Musiker, Sänger, Schriftsteller, Politiker, engagierte Gruppen, Zeitzeugen und auch Überlebende der NS-Greuel leisteten in den fünf Jahrzehnten des Bestehens der GCJZ ihren Beitrag zur Arbeit der Gesellschaft. Höhepunkt des Vereinslebens war in jedem Jahr die "Woche der Brüderlichkeit". 1962 wurde die unter dem Thema "Schaffet Frieden in Euren Toren" stehende Woche mit einem gemeinsamen Konzert des afroamerikanischen Sängers Kenneth Spencer und des Jungen Chores Minden eingeleitet.

Erste Rosenzweig-Medaille 1968 in Minden verliehen

Sechs Jahre später durfte der damalige Mindener Bürgermeister Werner Pohle die "Woche der Brüderlichkeit" im Stadttheater Minden gar stellvertretend für die ganze Bundesrepublik Deutschland und Westberlin eröffnen - ein Ereignis, das in Rundfunk und Fernsehen übertragen wurde und während dessen die erste Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen wurde.

Auch in den folgenden Jahren kamen zahlreiche namhafte Politiker zur "Woche der Brüderlichkeit" nach Minden - so etwa der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau zum 25-jährigen Bestehen der GCJZ im Jahr 1985, der spätere Ministerpräsident Sachsens, Kurt Biedenkopf, im Jahr 1986 oder der spätere Bundesinnenminister Otto Schily ein Jahr später.

Ein steinernes Zeichen des Wirkens der Gesellschaft ist das 1988 eingeweihte Mahnmal für die Opfer der NS-Diktatur vor dem Stadttheater. Die GCJZ hatte sich in der langjährigen Diskussion für die Errichtung starkgemacht.

Immer wieder bemühte sich die Gesellschaft darum, auch junge Leute für ihre Anliegen zu begeistern. Anfang der 1980er Jahre organisierte Werner David einen Jugendaustausch zwischen Mindener und israelischen Berufsschülern. Oft gestalteten Schüler weiterführender Schulen Ausstellungen oder wirkten bei Gedenkfeiern mit.

Bis heute fördert die GCJZ Minden die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Kirchen aller Konfessionen und der Jüdischen Kultusgemeinde Minden und Umgebung. Sie stellt sich der bleibenden Verantwortung für ein tolerantes Miteinander und setzt sich ein für Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden. Sie erinnert an die Ursprünge und Zusammenhänge von Judentum und Christentum, fordert die Selbstbesinnung in den christlichen Kirchen hinsichtlich der in ihnen theologisch begründeten und geschichtlich verbreiteten Judenverachtung.

Spätestens im Jahr 2011 wird der GCJZ Minden erneut deutschlandweite Aufmerksamkeit zuteilwerden - dann ist sie wieder Gastgeberin der zentralen Eröffnungsfeier der "Woche der Brüderlichkeit". Dazu wird auch Bundespräsident Horst Köhler erwartet

Dr. Heinrich Winter geht in den Ruhestand

Über seine Verabscheidung erschien folgender Artikel.

St. Martinigemeinde verabschiedet Pfarrer Dr. Heinrich Winter

VON CARSTEN KORFESMEYER
Minden (cko). Pfarrer Dr. Heinrich Winter ist seit gestern Mittag Ruheständler. 26 Jahre prägte er die St. Martinigemeinde - und wenn sich ein Mann wie er verabschiedet, dann geht das nicht ohne einen großen Festakt
Kindergartenkinder aus der Ritterstraße überreichten Pfarrer Dr. Heinrich Winter selbst gebastelte Herzen, auf denen sie Wünsche für ihn aufgeschrieben haben. | Foto: Carsten Korfesmeyer
Um 11.55 Uhr war es offiziell. In einer kurzen Zeremonie während des Gottesdienstes entband Superintendent Jürgen Tiemann den scheidenden Pfarrer von seinen Aufgaben. Im anschließenden Festakt wurde das erfolgreiche Wirken Winters ausgiebig gewürdigt. "Es ist ein Abschied, der uns alle schmerzt", sagte Tiemann. Er nannte Winter einen Mann, der eine feste Institution in Minden geworden sei. Er habe unzählige Menschen begeistern können - und die Liste seiner Leistungen sei so lang, dass man sie gar nicht in einer Rede vollständig vortragen könne.
Der Superintendent pickte dann auch nur einige Bereiche heraus. So habe Winter in der Erwachsenenbildung wichtige Akzente gesetzt; er habe durch eine neue Form von Gottesdiensten eine Reihe Menschen erreicht, die der Kirche sonst ferngeblieben wären. "Und Du hast die Kirchenmusik gefördert, bist Modernem aufgeschlossen gewesen und hast Traditionen erst genommen."
Tiemann würdigte besonders Winters Engagement als langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit - und hob auch das Wirken im christlich-islamischen Dialog hervor. "Es gibt kaum ein Gebiet, das du in den vielen Jahren nicht beackert hast", sagte der Superintendent.

Nicht unerwähnt blieb natürlich Winters Arbeit in der Stiftung der Martinikirche, die er übrigens auch im Ruhestand weiter ausüben wird. "Dadurch hat das Bauwerk eine Perspektive bekommen." Tiemann sprach die Partnerschaften mit Gemeinden in Tansania an, lobte das Fördern der Ökumene - und erwähnte vor allem die viele Arbeit, die im Hintergrund verlaufen ist. "Ich denke da besonders an die seelsorgerische Tätigkeit."

Für Harald Steinmetz ist Winter ein Vorbild, das sich unermüdlich für die Stadt eingesetzt habe. "Sie waren der Motor für die Gründung der Mindener Tafel", sagte der stellvertretende Bürgermeister. Er habe Charisma gezeigt - und seine Gottesdienste in zeitgenössischen Kostümen zum 250. Jahrestag der "Schlacht bei Minden" seien unvergessliche Momente gewesen.

Bewegende Worte fand auch Jens Burgschweiger, der für das Presbyterium sprach. Auf einer Fahrt zur Pfarrkonferenz habe er Winter vor vielen Jahren kennengelernt. "Das war auf dem Rücksitz in unserem Gemeindebulli." Wie alle der zahlreichen Redner des Tages zeigte er hohen Respekt vor der Arbeit des Neu-Ruheständlers - und wünschte ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute. "Die Gemeinde hatte Glück mit dir."

Winter zeigte sich bewegt -und als ihm die Kindergartenkinder der Ritterstraße ein paar Lieder vorspielten, zeigte der Pfarrer Zeichen der Rührung. Jedes Kind überreichte ihm dann noch ein selbst gebasteltes Herz, auf dem Wünsche für die Zukunft aufgeschrieben waren. Auf einem stand "Ich wünsche dir viel Glück und Gesundheit" - und Ähnliches dürften ihm wohl alle in der voll besetzten Martinikirche gewünscht haben.

Quelle: Mindener Tageblatt vom 30.11.2009

Verein in Porta gegründet

Der erste Vorsitzende des neugegründeten Vereins

Am 25. August wurde der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationssätte Porta Westfalica von 20 Mitgliedern gegründet. Den Vorsitz übernimmt der Portaner Bürgermeister Stephan Böhme. Ziel des Vereins ist die Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte des Nationalsozialismus an der Porta und insbesondere der Geschichte der Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Die gründung des Vereins geht zurück auf das von Bürgerinnen und Bürgern an die Stadtverwaltung herangetragene Anliegen, sich mit der NS-Geschichte und der Außenlager auseinanderzusetzen und Gedenken zu ermöglichen.

Nachdem verschiedene Initiatitiven in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder im Sande verlaufen sind, wurde die Gründung des Vereins seit 2007 durch Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern sowie verschiedener Institutionen forciert. So kam im Herbst 2007 erstmals ein Runder Tisch zum Thema zusammen, nachdem auch die von der GCJZ Minden organisierte Gedenkfeier für den 27. Januar 2008 erstmals Porta Westafalica Hausberge vorplante, bei der die Theatergruppe der in Porta aufgewachenen Hamburger Künstlerin Eva Borcherding das Stück "Puppe Hoffnung" Ereignisse aus dem KZ Neuengamme in Szene setzte. Im Mai 2008 organisierte die GCJZ Minden unter Leitung von Bernhard Speller eine Exkursion zur KZ-Gedenkstäte Dora Mittelbau bei Nordhausen in Thüringen, an der u.a. auch Bürgermeister Stephan Böhme, weitere Ratsmitglieder. sowie weitere Interessierte teilnahmen. Die Gedenkstätte dort wurde am Ort eines ähnlich strukturierten KZ-Rüstungsbetriebes wie Porta Westfalica errichtet.


Neuer Verein veranstaltet bereits Workshop:

Quelle: Vlothoer Anzeiger vom 2. 9. 2009

Tausendfaches Leid für Hitlers Wahn
Workshop folgt den Spuren von Rüstungsproduktion und Konzentrationslagern an der Porta
VON STEFAN LYRATH
Porta Westfalica (Ly). Wenige Wochen nach der Gründung des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica führt ein Workshop zu den Orten des Grauens. Termin ist Samstag, 19. September, Ausgangspunkt das Kleinenbremer Besucherbergwerk.

Gerüchte ranken sich um die heimische Rüstungsproduktion der Nationalsozialisten. Von riesigen Stollen, die unter der Weser hindurchführen sollen, ist die Rede. Fakt ist, dass es von März 1944 bis kurz vor Kriegsende an der Porta drei Außenlager des KZ Neuengamme gab, in denen fast 3000 Häftlinge gelitten haben.
Dr. Johannes Großewinkelmann, Geschäftsführer von Besucherbergwerk und Bergbaumuseum, sieht den Workshop "Rüstungsproduktion und Konzentrationslager im Raum Porta" als Einstieg in die Thematik. Dass Großewinkelmann gleichzeitig 2. Vorsitzender des neuen Vereins ist, erleichtert die Kooperation. Seine Partner sind die Volkshochschule Minden sowie die VHS-Geschichtswerkstatt Bünde. Telefonische Anmeldungen zum Workshop bis 11. September unter (0 57 22) 90 223.

Unter unbeschreiblichen Bedingungen haben Gefangene für die unterirdische Produktion geschuftet, viele bis zum Tod. "Aus KZ-Häftlingen wurde das letzte Quäntchen Arbeitskraft gepresst. Ob sie beim Stollenbau starben, war egal", erklärt Thomas Lange , der eine Magisterarbeit über "Die Konzentrationslager an der Porta Westfalica" geschrieben hat. Lange, Großewinkelmann und Jörg Militzer, Chef der Bünder Geschichtswerkstatt, leiten den Workshop.

Bei der Evakuierung am 1. April 1945 vegetierten laut Lange bis zu 1200 Häftlinge im Saal des "Kaiserhofes" vor sich hin, rund 500 in Lerbeck, etwa 1000 (großenteils jüdische Frauen) am Hausberger Frettholzweg. Dies waren die drei Portaner Außenlager Neuengammes.

Zu den früheren Produktionsstätten führt die Busfahrt ebenfalls. So wurden Häftlinge von März 1944 bis kurz vor Kriegsende zu körperlicher Schwerstarbeit beim Bau einer Raffinerie oder der Erweiterung von Stollen im Jakobsberg gezwungen. Andere mussten Radioröhren herstellen oder Flugmotoren reparieren.

Über Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen im heutigen Besucherbergwerk, wo die Teilnehmer außerdem auf Spurensuche gehen, ist dagegen nichts dokumentiert. Im vorderen Teil gab es jedoch bereits Ausbauten für den Bremer Hersteller Focke-Wulf, der die Fertigung von Teilen und Flugzeugzellen für den Jäger FW 190 unter die Erde verlagern wollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Mit der eigentlichen Erzgrube sollte eigentlich Ende der 1920er-Jahre Schluss sein. Dass es anders kam, lag "am Rüstungswahn Hitlers", so Großewinkelmann. Das Thema des Workshops (Treff um 9.45 am Besucherbergwerk) soll Teil der Dauerausstellung im Museum werden. An ein Projekt mit Schülern ist ebenfalls gedacht.

Bundeseröffnung 2011 in Minden


Woche der Brüderlichkeit wird bundesweites Medienereignis / Ministerpräsident beim Festakt
Minden (mt/ani). Minden wird im Jahr 2011 gastgebende Stadt für die zentrale Feier der "Woche der Brüderlichkeit" am 6. März sein
(Hinweis des Webmasters: neuer Termin 13. März 2011). Hierfür ist das Stadttheater als Ort festgelegt worden.
Das gaben jetzt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Gemeinschaft (GCJZ) und die Stadt Minden bekannt. Die zentrale Feier zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit (immer Anfang März) ist ein bundesweites Medienereignis. Hierzu werden 2011 in Minden unter anderem der Bundespräsident, der Schirmherr der bundesweiten Veranstaltung ist, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, hochrangige Kirchenvertreter sowie weitere bundes- und landesweit bekannte Persönlichkeiten erwartet. Die Fernsehsender (unter anderem ARD, ZDF und Phoenix) sind mit mehreren Teams vor Ort und berichten teilweise live. Seit 1952 feiern Christen und Juden gemeinsam die Woche der Brüderlichkeit.

Zu diesem Großereignis hat es im Vorfeld zunächst Gespräche zwischen dem deutschen Koordinierungsrat und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Minden sowie zwischen Rudolf Sirsch, Generalsekretär des Koordinierungsrates, Bürgermeister Michael Buhre und Pfarrer Bernhard Speller, geschäftsführender Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden, gegeben. Der Koordinierungsrat ist seit 1949 der Dachverband für die Christlich-Jüdischen Gemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland.

Im Rahmen des Festaktes wird auch die Buber-Rosenzweig-Medaille an einen hochkarätigen Preisträger vergeben. Ausgezeichnet werden Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Preisträger sind u.a. Professor Helmut Gollwitzer, Friedrich Dürrenmatt, Richard von Weizsäcker, Lea Rabin und Joschka Fischer. Teilweise werden auch zwei Preisträger ernannt. Die Laudatoren sind ebenfalls hochrangig (2008: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble). Im Anschluss an den Festakt lädt der Ministerpräsident des Landes zu einem Empfang ein.

Die zentrale Feier wird von weiteren hochrangigen Veranstaltungen umrahmt. So findet jedes Jahr im gastgebenden Ort auch ein Begegnungstreffen von Rabbinern der Rabbinerkonferenz Deutschland und Bischöfen der deutschen Bischofskonferenz statt. Für das Rahmenprogramm in Minden ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verantwortlich. Das Programm wird im Jahr 2011 deutlich erweitert sein. Hierzu soll es im Sommer 2009 ein erstes Gespräch mit Mindener Kulturschaffenden geben.

GCJZ feiert 2010 ihr 50-jähriges Bestehen
Hintergrund für die Auswahl Mindens ist: Minden war im Jahr 1968 der Ort, an dem die Buber-Rosenzweig-Medaille erstmals vergeben wurde. Preisträger waren Prof. Dr. Friedrich Heer (Wien) und Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Marquardt (Berlin), Richard von Weizsäcker hielt damals die Laudatio. Es gibt eine lange Tradition der Zusammenarbeit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Minden mit dem Koordinierungsrat. Zudem feiert im Jahr 2010 die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Minden ihr 50-jähriges Bestehen. Im Jahr 2011 liegt die Vereinsgründung 50 Jahre zurück. Das war der Anlass für den Koordinierungsrat, die zentrale Feier nach Minden zu vergeben.

Mindener Tageblatt 7. 3. 2009